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Die Zellen im Dogenpalast waren früher nur für Staatsgefangene und Hochverräter vorgesehen. Irgendwie (und niemand weiß genau warum) hat der genau deswegen weltbekannte Casanova es geschafft ins Dogenpalast Gefängnis – so genannte Bleikammern zu kommen.
Es gab 2 “Gefängnisse” im Dogenpalast – das eine im Keller (ein paar Zellen) und eins oben, genau unter dem Bleidach des Palastes. Die Zellen wurden deswegen “Bleikammern” genannt, in denen es keine Fenster gab und frische Luft nur durch das kleine Gitterloch in der Tür reinkommen konnte. Im Sommer, wenn die Sonne das Dach erhitzte wurde es unerträglich heiß und so stickig, dass man kaum atmen konnte.
Unter solchen Umständen musste Giacomo Girolamo Casanova in seinem Bleikammer 5 Jahre verbringen. Der Grund: Angeblich hatte “Casanova” dubiose Beziehungen zu Freimaurern und ausländischen Diplomaten. Die Zelle war nur 1,80 Meter hoch- mit seinen 1,87m konnte Casanova nicht einmal aufrecht stehen. Aber nach 15 Monaten (1776) gelang es ihm beim zweitem Versuch aus dem Gefängnis zu entkommen.
Flucht ist sein einziger Gedanke. Beim täglichen Ausgang auf dem Dachboden findet er ein Stück Eisen, schärft es heimlich an Mauerkanten und beginnt unter seinem Bett die drei Lagen Bretter zu durchbohren. Da wird ihm eine höhere, hellere Zelle gegönnt. Er kann sich mit dem Gefangenen über ihm verständigen, einem Mönch, der das Dach direkt über sich hat und nun ein Loch zu Casanova hinunter bricht. Aus Betttüchern, Handtüchern und Matratzenstoff knüpft er ein Seil, klettert in die Zelle des Mönchs hinauf, kann mit seinem Eisen das morsche Holz des Dachstuhls durchstossen und biegt eine der Bleiplatten, die den Dogenpalast decken, so um, dass beide Männer hinausklettern können – in der Finsternis bäuchlings auf dem steilen, vom Nebel schlüpfrigen Blei hoch über dem Markusplatz.
Sie finden eine Dachluke, springen in eine Kammer hinab, treten zwei Türen ein – und stehen vor einem verschlossenen Portal «wie ein Stadttor». Ratlos ziehen sie sich erst einmal um (in den Zellen haben die Gefangenen ihre Kleidung behalten dürfen): Casanova nun im Spitzenhemd, auf dem Kopf einen goldbetressten spanischen Dreispitz mit weissem Federbusch. Als er im Morgengrauen dieses 1. Novembers 1756 ein Fenster öffnet, erregt er Verwunderung unter Passanten auf dem Markusplatz, sie alarmieren einen Pförtner, der öffnet das Portal, und Casanova schreitet stumm und arrogant an ihm vorbei die Prachttreppe hinunter. (Quelle)
